Hallo,
ich muss mich mal ein bisschen aufregen
In meinem Bekanntenkreis in der Gemeinde gibt es eine Frau, deren Leben wirklich nur aus Problemen besteht. Es ist immer irgendwas: Mal ist sie Single, dann (=jetzt) mit einem schwierigen Mann verheiratet, sie ist krank, am Haus ist was kaputt, die Katze zickt, das Auto muss repariert werden, der Job macht Ärger, keiner interessiert sich für sie, der Friseur hat ihr die Haare miserabel geschnitten, das Geld reicht nicht, sie fühlt sich nicht gut, die Kinder sind gemein, niemand ruft an, der Telekommann war unfreundlich, der Arzt versteht sie nicht, die Nachbarn sind zu laut...und so weiter, und so fort. Die Beispiele sind endlos.
So, nun definiert man Problem ja folgendermaßen: "Aufgabe oder Streitfrage, deren Lösung mit Schwierigkeiten verbunden ist. Probleme stellen Hindernisse dar, die überwunden oder umgangen werden müssen, um von einer unbefriedigenden Ausgangssituation in eine befriedigendere Zielsituation zu gelangen. " Die betreffende Person sieht ihre Probleme aber durchaus nicht als "Jawoll, das gehe ich jetzt an"-Bereiche ihres Lebens, sondern als "Ich rede 24/7 darüber, wie schlecht es mir geht". Und es ist keine Frage - ihr geht es am schlechtesten. Als sie Single war, krankte alles daran...die Lösung war ein Ehemann. Der ist jetzt vorhanden, löst aber natürlich auch nicht alle Schwierigkeiten (so würde ich das mal lieber nennen, anstatt jede Kleinigkeit als echtes Problem einzustufen). Es gibt kein normales Gespräch mehr, was sich nicht um ihr Leben und ihre Belange dreht. Und ganz ehrlich: Ich kann es nicht mehr hören.
Ein bisschen Gejammer hier und da tut uns allen gut, keine Frage, und es ist schön, wenn Freunde zuhören und einem aufmunternd die Schulter tätscheln. Braucht jeder von uns. Aber dieses Suhlen im eigenen Drama ist doch furchtbar, dieses permanente Kreisen um sich selbst, die ständige Leidensmiene, damit es auch ja jeder merkt. Ich fühle mich nicht gut, mir geht es wieder schlecht, mein Leben ist so schwer - bedauert mich, los! Wenn ihr es nicht tut, seid ihr gefühllos, schlechte Freunde und egoistisch. Sie sorgt selber dafür, dass alle auf Abstand gehen, weil es niemand erträgt, permanent nur mit (Pseudo-)Problemen beladen zu werden und selber aber nie welche abladen zu können. Da wird man dann meistens umgehend übertrumpft: "Ja, das ist natürlich doof, aber bei mir ist es natürlich noch viel doofer, weil..." Ist es denn so schwer, auch einfach mal was Positives zu sagen? Nicht immer nur jede kleine Schwierigkeit zu dramatisieren? Ratschläge und Hilfsangebote mal anzunehmen und nicht permanent lethargisch vor dem Problem stehen? Wie gesagt - es ist alles ein Problem. Von der klemmenden Küchentür bis zur bösen Katze, die zu wenig Liebe gibt.
Habt ihr da Tipps? Es ist mittlerweile so, dass viele den Kontakt nur noch ganz oberflächlich aufrecht erhalten, weil man es nicht mehr hören kann. Ist ja auch nicht der Sinn der Sache, wir alle hätten es gerne anders, aber irgendwann ist Schluss. Man wird ja selber völlig depressiv bei all dem Gejammer. Keine Frage, es gibt Schwierigkeiten in ihrem Leben, und man würde ihr gerne helfen, aber wie heißt es so schön: "Keiner ist nur immer schwach und keiner hat für alles Kraft." Aber das ist so unsere Rollenaufteilung - einer ist immer der Leidende und alle anderen müssen zurückstecken. Das geht doch nicht... Vielleicht hat ja jemand konkrete Ideen, wie man ihr das begreiflich machen kann. Sie schadet ja in erster Linie sich selber damit, das ist ja nicht gesund. Wir wollen ihr durchaus helfen, aber wenn es nur darum geht, den Status quo für's Mitleid aufrecht zu erhalten...nö.
Grüße,
Tinker

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